Im September haben wir die Petition „Stopp Landraub“ gestartet. Heute führen wir die ersten Gespräche mit Schweizer Grossverteilern, in welchen wir mit den über 12’500 Stimmen im Rücken unsere Forderung nach weniger Palmöl in unseren Produkten erklären werden. Bis im Frühling werden wir mit allen wichtigen Grossverteilern sprechen. 

In Guatemala vermehren sich die Ölpalmplantagen rasant. Die angestammten Maya-Völker werden vertrieben. Was das bedeutet, haben Carolina und ihre Familie am eigenen Leib erfahren.

Inmitten der dicht bepflanzten Ölpalmplantage steht Carolina Rax Tiul*. Sie lebt mit ihrer Familie unweit der endlosen Palmreihen, in denen kein Licht mehr durchdringt und die den lokalen Pflanzen den Platz wegenehmen.

Ihre Wohnung ist bescheiden, es gibt wenig Platz für das Ehepaar und die vier Kinder. Das war nicht immer so. «Bevor wir von bewaffneten Soldaten von unserem Boden vertrieben wurden, hatten wir ein schönes Haus. Wir hatten Land, das wir bepflanzt haben, und ernteten so viel Mais, dass wir immer auch noch etwas davon verkaufen konnten», erzählt Carolina. «Wir hatten ein gutes Leben.»

Die Erde bedeutet uns alles

Doch dieses Leben ist Vergangenheit. Weil der Agrarkonzern Naturaceites ihr Land für den Anbau von Ölpalmen aneignete, wurde die Familie Rax Tiul vertrieben. Plötzlich obdachlos, musste sie sich mühevoll ein neues Leben aufbauen. Die Sicherheitskräfte brannten ihr Haus und die Gemüsegärten nieder.

Noch heute ist Carolina traurig, wenn sie daran denkt, wie alles zerstört wurde und wie die Verantwortlichen der Firma ihnen vorwarfen, sich widerrechtlich auf dem Land angesiedelt zu haben, um sie dann als Eindringlinge zu vertreiben. Entrüstet wehrt sie sich gegen diese Anschuldigung und sagt mit Bestimmtheit:

«Dieses Land hat schon unseren Vorfahren gehört und in diesem Sinne haben wir es gehegt und gepflegt, denn die Erde bedeutet uns Maya alles.»

Als ob es nicht schon genug wäre, dass die Familie heute kaum genug zum Leben hat, macht die Umgebung der Ölpalm-Plantagen Mensch und Tiere auch noch krank. «Auf der Plantage werden Pestizide und Dünge- mittel eingesetzt, um die Erträge zu steigern», sagt Carolina Rax Tiul.

Immer mehr Ölpalmplantagen

Das Leben im Gebiet San Miguelito Cotoxjà ist gefährlich geworden. Doch nicht nur in dieser Region Guatemalas entstehen mehr und mehr Ölpalmplantagen. Mittlerweile gibt es sie in 9 von 22 Departementen und es werden ständig mehr. In den letzten Jahren belief sich ihr Wachstum auf 300 Prozent. Eine Entwicklung, die Carolina und ihrer Familie Angst macht, denn sie müssen jederzeit damit rechnen, unter fadenscheinigen Begründungen erneut vertrieben zu werden.

* Name geändert

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Benedict Manewa aus Liberia wehrt sich seit Jahren gegen die «Palmölriesen», die ihm das Land wegnehmen wollen. Er erzählt, wie er darum ringt, auf seinem Land bleiben zu dürfen – und dafür alles in Kauf nimmt.

«In meinem Leben wurde ich schon mehrere Male verhaftet, misshandelt und gefoltert. Der Grund: Mein Volk der Butaw Kru im Südosten von Liberia wehrt sich dagegen, dass Golden Veroleum Liberia (GVL) eine Konzession für unser Land erhalten hat, ohne dass wir befragt und in die Entscheide einbezogen wurden. Ich erinnere mich noch genau, wie am 3. Dezember 2010 zwei Dutzend Männer von GVL auf dem Land meiner Familie auftauchten. Ohne uns zu fragen oder mit uns zu sprechen, inspizierten sie Boden und Wald, füllten Tabellen aus und machten Skizzen. 

Andere Dorfbewohner sagten uns, dass offenbar ein Säuglingsheim geplant sei. Kurze Zeit später fuhren Bagger auf und begannen, unser Land zu planieren und den Wald zu roden. Wir versuchten, die Zerstörungen zu stoppen. Doch die Männer sagten, dass sie eine Konzession der Regierung hätten und eine Ölpalmplantage anlegen würden. Zugleich wollten sie eine Urkunde über unseren Landbesitz sehen. Doch bei uns wird Land von Generation zu Generation weitergegeben, ohne Dokument. Mein Beispiel brachte weitere Einwohner dazu, sich gegen den Landraub zu wehren. Trotzdem zerstörten die Bulldozer auch heilige Stätten und Grabfelder und verschmutzten Wasserläufe, aus denen wir Trinkwasser holten. Ganze Dörfer wurden zerstört.

Als unser Dorf verschwinden und ich mit meiner neunköpfigen Familie umsiedeln sollte, reiste ich im Juli 2011 in die Hauptstadt Monrovia und erhoffte mir Hilfe. Umweltjuristen von Green Advocates International (GAI) halfen uns, beim Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) gegen die Verletzung unserer Rechte zu klagen. Ein Stopp der Arbeiten wurde dank GAI vereinbart – doch zugleich wurde ich von der Polizei verhaftet. Sie wollten mich einschüchtern, denn Anklage wurde nie erhoben. Freigelassen wurde ich erst, als die Juristen von GAI sich für mich einsetzten.

Im Gefängnis drohten sie mir mit dem Tod und folterten mich psychisch. Auch meine Familie wurde unter Druck gesetzt. Aber da ich für eine bedeutsame Sache litt, fürchtete ich mich nicht. Ich spürte auch die Unterstützung meiner Ahnen, weil ich um das Land kämpfte, das sie uns hinterlassen haben.»

Unterschreibe die Petition gegen weniger Palmöl Produkte in unseren Supermärkten!

Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Mit einer Online-Petition fordern HEKS und Fastenaktion die Schweizer Detailhändler auf, weniger Palmöl in ihren Produkten zu verwenden.

September 2017, Tagesschau im Schweizer Fernsehen: «Ölpalmplantagen bedrohen beliebte Erholungs-­ und Wohnzonen», liest Nachrichtensprecher Charles Clerc vor laufender Kamera, während im Hintergrund Bilder des Marzili in Bern, des Letten in Zürich, des Kasernenareals in Basel und des Lausanner Vidy-Quartiers zu sehen sind. Erste Anwohner seien bereits umgesiedelt worden. Grund für den Landverkauf sei die grosse Nachfrage nach palmölhaltigen Produkten.

Wäre diese Nachricht am 4. September effektiv in den Hauptnachrichten erschienen, hätte sich wohl mancher und manche schockiert die Augen gerieben. So wie viele Menschen in Liberia, Indonesien, Guatemala oder anderen Ländern des Südens, als bei ihnen plötzlich Behörden, Vermessungsgeräte und Bulldozer vor der Türe standen.

Doch während der Nachrichtenbeitrag ein fiktiver Kurzfilm ist, der aktuell über Internet verbreitet wird, sind diese Zustände in andern Ländern leider Realität. Der rasant steigenden Nachfrage nach Palmöl sind bislang mindestens 18,7 Millionen Hektar tropischen Regenwaldes, Buschlandes oder Torfgebiete zum Opfer gefallen – was rund 4,5 Mal der Fläche der Schweiz entspricht. Unzählige Menschen haben in der Folge ihre Lebensgrundlage verloren, zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind gar vom Aussterben bedroht.

Der Kurzfilm markiert den Auftakt der Kampagne von Brot für alle und Fastenaktion, mit der die beiden Organisationen Druck auf die grossen Schweizer Detailhändler machen. Die Petition soll diese dazu bewegen, künftig weniger Produkte mit Palmöl in ihrem Sortiment zu führen.

Palmöl ist nicht unverzichtbar

Rund jedes 6. Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl. Der Grund: Palmöl ist vielseitig einsetzbar und vor allem günstig. Im Gespräch verweisen die Grossverteiler Migros und Coop darauf, dass es ohne Palmöl nicht gehe und sie fast nur nachhaltiges Palmöl nutzen würden. Erfahrungen und Recherchen der Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenaktion vor Ort zeigen jedoch, dass Zertifizierungen wie die des Round Table on Sustainable Palmoil (RSPO) die Probleme von Landraub und anderen Menschenrechtsverletzungen nicht lösen.

Und so unverzichtbar, wie das die Grossverteiler bzw. die Industrie darstellen, ist Palmöl keineswegs. Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es einheimische Pflanzenöle als Alternativen, die weniger Landkonflikte und Waldrodungen bedeuten. Wer sich genauer damit befasst, findet in fast allen Bereichen Kleinbetriebe, die palmölfreie Produkte auf den Markt bringen. Was die Kleinen können, sollte auch für die Grossen kein Problem sein. Dazu braucht es jedoch den Druck der Konsumentinnen und Konsumenten.

Danke, dass auch Sie sich für die Menschenrechte stark machen.

 

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Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

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Im westafrikanischen Benin ist Palmöl ein wesentliches Element der lokalen Küche und die Palmen werden auch für andere Produkte verwendet. Ein Beispiel dafür, dass es durchaus Alternativen zum Anbau auf riesigen Monokulturen gibt.

 

«Es ist eigentlich eine Verschwendung, die Ölpalme nur für Speiseöl zu verwerten», sagt Simon Bodea, der in Abomey, Benin, einen biologischen Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut hat und betreibt.

Bodea ist der ehemalige Generalsekretär von Synergie Paysanne, einer Partnerorganisation von HEKS, die sich für die Anliegen und Rechte der Kleinbauernfamilien engagiert. Stolz führt der Biopionier durch die Versuchsanlage und zählt die Gaben der Ölpflanze auf: Feuerholz und Möbel oder auch ein vorzüglicher Schnaps lassen sich aus dem Stamm herstellen. Aus der Wurzel kann Medizin und aus der Asche eine hautfreundliche Seife produziert werden.

Nichtsdestotrotz bleibt das Speiseöl, das aus den üppigen Fruchttrauben gewonnen wird, das Hauptprodukt.

Eine Kleinbäuerin in Benin bei der traditionellen Palmölverarbeitung. Für viele ist der Verkauf des Palmöls eine wichtige Einkommensquelle.

Lokal fest verankert

Die Gewinnung des Palmöls hat in Benin eine lange Tradition, und es sind vor allem Frauengruppen, die die Gaben der Ölpalme nutzen: Im Süden des Landes wachsen die Palmen wild zwischen den Höfen.

Die Frauen sammeln die Trauben und legen die roten Früchte zwei Tage lang in Wasser ein. Dann schöpfen sie aus dem öligen Wasser eine Art Rahm, den sie auf dem Feuer erhitzen und einkochen, bis nur noch das rote rohe Palmöl übrig bleibt. Das traditionelle Palmöl ist keineswegs ein Nischenprodukt.

Die Frauen verkaufen es überall auf Märkten und an Strassenrändern. Die Nachfrage lässt sich damit weitgehend abdecken. Für die Kleinbauernfamilien ist das Palmöl eine wichtige Einnahmequelle und gibt vor allem den Frauen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit.

Ausgeklügelte Mischkultur

Wäre es für die Kleinbauernfamilien möglich, die Herstellung des ökologischen Palmöls zu vergrössern und zu exportieren? Simon Bodea ist sich dessen sicher. «Der biologische Anbau von Ölpalmen eignet sich nicht nur für den Gemüsegarten.»

Stolz führt er durch seine drei Hektar grosse Versuchsplantage: Hier pflanzt er Ölpalmen zusammen mit Bohnen an, die unter dem Blätterdach gut gedeihen. Die Bohnen werden von Hühnern gefressen, deren Mist wiederum die Plantage düngt. Mit Mulch und Wassergräben speichert er die Feuchtigkeit.

Mit seinen Techniken erreicht Bodea ähnliche Erträge wie industrielle Palmölplantagen – und das komplett ohne Dünger und Pestizide, eingebettet in einen ökologischen Kreislauf.

Eines jedoch ist klar: Der gewaltige Hunger nach Palmöl in den Industrieländern könnte damit nicht gedeckt werden. Denn auch diese täten gut daran, wieder vermehrt auf das zu setzen, was bei ihnen vor der Haustüre wächst und gedeiht.

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Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Eine Palmölmühle direkt auf den heiligen Palotro Hill, eine wichtige Kultstätte, missachtete Richtlinien und Verhaftung, wer sich dem Ölpalmkonzern in den Weg stellt:  Von nachhaltig angebautem Palmöl (RSPO) hat die indigene Gruppe der Blogbo in Liberia bislang nichts bemerkt – im Gegenteil. Vieles ist für sie traurige Realität geworden.

 

«Wirtschaftlicher Aufschwung durch nachhaltig hergestelltes Palmöl», so preist der liberianische Ölpalmkonzern Golden Veroleum Liberia (GVL) seine Tätigkeiten an.

 

GVL gehört zur indonesischen Golden Agri-Resources, zweitgrösster Palmölproduzent weltweit. Beide sind Mitglied des Runden Tisches für nachhaltig angebautes Palmöl (RSPO), einer Initiative, die seit 2004 verspricht, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern. Davon hat die indigene Gruppe der Blogbo, die im Konzessionsgebiet von GVL lebt, bislang nichts bemerkt – im Gegenteil: Zerstörte Felder und Wälder, verschmutztes Wasser und Gewalt sind für sie inzwischen traurige Realität.

 

«Das Leben hier ist unerträglich geworden. Unsere Felder und Wälder wurden uns weggenommen und in Ölpalmplantagen umgewandelt», sagt Lee Swroh, ein Angehöriger der Blogbo. «Wir haben keine Wälder mehr, um Medizinalpflanzen und Bedachungsmaterial zu sammeln und Tiere zu jagen. Damit fehlen uns jetzt wichtige Einkommensquellen, die es uns ermöglicht haben, unsere Kinder in die Schule zu schicken und andere Grundbedürfnisse zu decken.»

 

Simpson Snoh und Lee Swroh wehren sich gegen das Vorgehen von Golden Veroleum.
 

Illegale Konzessionsvergabe

 

Das 2010 lancierte Palmölprojekt von GVL umfasst 260 km², was fast der Fläche des Kantons Nidwalden entspricht. Ohne Einbezug der Bevölkerung erhielt GVL von der Regierung eine Konzession für 65 Jahre und begann damit, Ölpalmplantagen und Verarbeitungsanlagen zu errichten.

 

«Die Regierung hat dafür gar keine rechtliche Grundlage. Sie verstösst gegen das Gesetz über öffentliches Land», betont Lee Swroh. «Unsere Leute sind die legitimen Besitzer dieses Landes.

 

Unsere Ahnen haben sich hier niedergelassen, lange bevor es eine Regierung gab. Eigentlich wäre es ihre Aufgabe, unsere Rechte zu schützen und nicht, unsere Grundrechte verletzen.» Das Management von Golden Veroleum weist die Kritik zurück. GVL habe die Bevölkerung konsultiert und bringe Entwicklung in die Region, heisst es.

 

In mehreren Etappen sollen Plantagen angelegt und schliesslich die grösste Palmölfabrik Afrikas erstellt werden. Ein Viertel des Konzessionsgebietes ist bereits mit Ölpalmen bepflanzt. Werden auch die geplanten Verarbeitungsbetriebe gebaut, sollen laut den Versprechen des Unternehmens bis zu 40 000 Arbeitsplätze entstehen. Heute beschäftigt GVL nach eigenen Angaben 3600 Personen.

 

 

Unrechtmässig inhaftiert

 

Tatsächlich hat GVL gegenüber der Bevölkerung bislang wenig Fingerspitzengefühl gezeigt. So baute GVL unter anderem eine Palmölmühle direkt auf den heiligen Palotro Hill, eine wichtige Kultstätte der Blogbo. «Das hat die Bevölkerung sehr verletzt, denn der spirituelle Ort wurde immer noch aufgesucht», sagt Swroh. Trotz der Proteste der Bevölkerung wolle GVL auch die im Endausbau 16-mal grössere neue Mühle auf dem Palotro Hill betreiben. «Die Firmenleitung weigert sich auch hier, mit uns zu sprechen und auf unsere Probleme einzugehen», sagt Swroh.

 

 

Wer sich gegen GVL und ihr Land Grabbing wehrt, lebt gefährlich. Schon mehrmals wurden Menschen verhaftet und Opfer von Gewalt. Einer davon ist Simpson Snoh, Anführer der Bewegung Blogboteh, die sich gegen GVL und ihre Plantagen wehrt. Mit Handschellen gefesselt wurden Snoh und drei weitere Männer ins Gefängnis der Provinzhauptstadt Greenville gebracht und lange festgehalten. «Ohne Anklage, obwohl das verboten ist», sagt er.

 

Verhaftet wurden sie, als sie mit einem Team von Global Witness Landflächen  der Blogbo besuchten, um zu prüfen, ob GVL geschützten Wald ohne Genehmigung und ohne Einverständnis der Bevölkerung abgeholzt hatte. Später wurden die drei Männer freigelassen. Eine Anklage oder eine Gerichtsverhandlung gegen die Sicherheitsleute von GVL und die Polizisten gab es nie.

 

«Wir Blogbo sind friedliche Menschen. Wir wollen ohne Gewalt erreichen, dass wir auch weiterhin das Land unserer Ahnen bearbeiten können», sagt Lee Swroh. Und Simpson Snoh unterstreicht, dass sich Blogbo-teh «nicht grundsätzlich gegen die Firma stellt, sondern dagegen, dass deren Vorgehen und die Inhalte der Konzession gegen unsere Grundrechte verstossen».

Auch in anderen Teilen des Konzessionsgebiets wurden Protestierende verhaftet und kriminalisiert, wie ein Bericht von Global Witness von Oktober 2016 belegt. Für Fred Thompson aus dem Butaw-Bezirk endete die Festnahme gar tödlich. Der junge Mann beteiligte sich an einem Protest vor dem Gebäude von GVL. Er und zwanzig weitere Männer wurden durch die schnelle Einsatztruppe der Nationalpolizei verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, wo er an den Folgen der Übergriffe starb. Der schwer bewaffneten Einsatztruppe der Polizei zahlt GVL laut Global Witness Unterkunft und Essen.

 

 

Bevölkerung übergangen

 

Die Zustände und Vorkommnisse verstossen nicht nur gegen liberianisches Recht, sondern auch gegen die RSPO-Richtlinien. Diese verpflichten die Unternehmen dazu, die lokale Bevölkerung frühzeitig zu konsultieren und ihre Anliegen einzubeziehen. Da dies offensichtlich nicht der Fall war, haben Simpson Snoh und seine Mitstreiter bei RSPO Klage eingereicht.

 

«RSPO sandte daraufhin ein Untersuchungsteam und wir zeigten ihnen alle Beweise, die unsere Anklage untermauern.» Als Folge hielt RSPO GVL dazu an, ihre Plantagen nicht weiter auszudehnen, auf den Ausbau der grossen Mühle zu verzichten und das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen. «Doch GVL hat sich nicht an die Vorgaben von RSPO gehalten», sagt Lee Swroh enttäuscht. Demnächst soll ein weiterer RSPO-Bericht erscheinen, der eine Klage gegen GVL im Distrikt Tarjuowon untersucht. Doch solange der RSPO-Standard freiwillig bleibt, werden wohl auch diesen Worten keine Taten folgen.

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Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

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Der Palmölkonsum hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und damit auch die negativen Folgen des grossflächigen Ölpalmanbaus. Auch der Versuch, Palmöl-Monokulturen nachhaltig zu betreiben, ist bis anhin nicht gelungen.

 

Palmöl ist das meistkonsumierte Pflanzenöl weltweit. Dabei wird heute doppelt so viel Palmöl verbraucht wie noch vor 15 Jahren – mit verheerenden Folgen für die Menschen aus Zentralamerika, Westafrika und Südostasien, wo die Ölpalmen auf riesigen Plantagen angebaut werden.

Trotz der massiven Kritik, die Betroffene, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen seit Jahren formulieren und mit zahlreichen Studien belegen, scheint Palmöl in der Lebensmittel-, Kosmetik und Reinigungsmittelindustrie beinah alternativlos. Warum?

Guetzli, Kekse, Chips

Palmöl ist ein vielseitig einsetzbarer Rohstoff: Ob Guetzli, Pizza, Shampoo oder Kerzen, Palmöl ist überall. Das Öl ist lange haltbar, kann bei unterschiedlichen Temperaturen verarbeitet werden und ist fast geruchsfrei. Im Vergleich zu anderen Ölpflanzen ist die Ölpalme auch äusserst ertragreich.

So können auf einem Hektar 3,3 Tonnen Palmöl produziert werden, hingegen nur 0,7 Tonnen Kokos-, Sonnenblumen- oder Rapsöl. Das ist ein Grund, warum Palmöl auf dem Weltmarkt so konkurrenzlos billig ist.

Wer aus der hohen Flächeneffizienz jedoch schliesst, Palmöl sei deswegen besonders nachhaltig, irrt gewaltig. Ölpalmen gedeihen nur in tropischen Regionen gut, denn sie brauchen Hitze und regelmässig viel Regen. Der tropische Gürtel um den Äquator ist jedoch just das Gebiet, in dem Regenwälder mit einer hohen Biodiversität gedeihen und als CO2-Speicher eine lebenswichtige Rolle spielen. Und wo indigene Völker im und vom Wald leben und Menschen das üppige Buschland seit jeher nachhaltig für ihren Lebensunterhalt nutzen.

300 Fussballfelder pro Stunde

Vor über 100 Jahren haben europäische Kolonialregierungen das Öl der eigentlich in Westafrika heimischen Palme als Rohstoff für die industrielle Konsumgüterproduktion entdeckt. Sie haben vor allem in Südostasien grossflächige Plantagen angelegt, die dort lebenden Menschen vertrieben und den Wald gerodet. Das hat sich bis heute kaum geändert.

Für Ölpalmplantagen in Asien wird heute stündlich die Fläche von rund 300 Fussballfeldern gerodet. Und noch immer werden Landrechte missachtet und das Land von Regierungseliten zu Tiefstpreisen an Palmölkonzerne verkauft oder verpachtet.

Dass das Land so billig zu haben ist und den Plantagenarbeitenden nur sehr niedrige Löhne gezahlt werden müssen, sind weitere Gründe, weshalb kein anderes Pflanzenöl so begehrt ist wie Palmöl. Hinter dem Boom steht zunächst die Zunahme industriell gefertigter Nahrungsmittel in Europa und Nordamerika seit den 1960er-Jahren und seit den 1990er-Jahren auch in den Schwellenländern wie China, Indien oder Mexico.

Und schliesslich hat die Förderung von Agrotreibstoffen in der EU die Nachfrage nach Palmöl nochmals kräftig erhöht. Von den weltweit jährlich rund 50 Millionen Tonnen Palmöl werden über fünf Millionen Tonnen in Europa verbraucht.

Alleine der Schweizer Konzern Nestlé kaufte im Jahr 2015 gemäss eigenen Angaben rund 420 000 Tonnen Palmöl– knapp ein Prozent der globalen Produktion.

Rund 85 Prozent der globalen Palmölproduktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Weil dort eine weitere Ausdehnung zunehmend schwieriger wird – auch angesichts der massiven Kritik – suchen die Palmölkonzerne nach neuen Expansionsmöglichkeiten in Afrika und Lateinamerika. Der steigende Palmölkonsum ist damit zu einer der wichtigsten Ursachen für Land Grabbing in diesen Ländern geworden.

Kein nachhaltiges Palmöl

Dass die Produktion von Palmöl massive Probleme mit sich bringt, wissen auch die Firmen, die damit handeln, es verarbeiten und Palmölprodukte verkaufen. Deshalb haben sie vor bald 15 Jahren den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet. Ziel war, den Sektor so zu verändern, dass Mensch und Umwelt nicht mehr zu Schaden kommen.

Einige Schweizer Akteure waren von Anfang an massgeblich am RSPO beteiligt und tatsächlich ist heute der Grossteil der Palmölimporte in die Schweiz RSPO-zertifiziert. Doch den Beweis, dass Palmöl wirklich nachhaltig produziert werden kann, bleibt der RSPO bisher schuldig. Illegale Rodungen, Landkonflikte und Missachtung der Arbeitsrechte werden auch auf RSPO-zertifizierten Plantagen nachgewiesen. Wirkungsvolle Sanktionsmechanismen sieht der auf Freiwilligkeit beruhende RSPO nicht vor und die von Land Grabbing betroffenen Dorfgemeinschaften erhalten ihr Land nicht zurück.

Doch ist Palmöl wirklich so unverzichtbar?

Vor allem im Lebensmittelbereich gibt es mit einheimischen Pflanzenölen gute Alternativen. Dass es sogar ohne Palmöl geht, zeigen die Supermarktkette Coop Italia oder der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla. Beide Unternehmen haben im letzten Jahr die Rezepte von 200 bzw. 150 Produkten umgestellt und Palmöl ersetzt. Nun gilt es, Raps-, Sonnenblumenöl oder andere Pflanzenöle ökologischer als bisher zu produzieren, um wirklich nachhaltige Alternativen zu Palmöl zu entwickeln.

Diesen Artikel finden Sie auch in unserem aktuellen Dossier zum Magazin «Perspektiven» »

 

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Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt!

Die heutigen, zaghaften Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Sie vermögen weder den Landraub zu verhindern, noch den stark steigenden Konsum an Palmöl zu bremsen. Sag Migros, Coop und co. dass du weniger Produkte mit Palmöl in den Läden möchtest. Unterschreibe jetzt den Aufruf!

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Bern/Luzern, 4. September 2017 – Das enorme Wachstum der Palmölindustrie führt zu Land Grabbing. Bei der Anlage der Plantagen werden Rechte der Menschen verletzt und Lebensräume zerstört. Nachhaltigkeit bei Palmöl gibt es nicht, auch nicht im Rahmen des Standards RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl). Darum fordern HEKS und Fastenaktion die Schweizer Detailhändler und Hersteller auf, weniger Palmöl zu verwenden.

Weltweit sind bereits über 190 000 Quadratkilometer Regenwald und Torfgebiete für Ölpalm-Plantagen verschwunden, mehr als viereinhalb Mal die Fläche der Schweiz. Der lokalen Bevölkerung fehlt damit die Lebensgrundlage. Getrieben wird die Entwicklung vom Verbrauch an Palmöl für Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, im Ausland auch für Treibstoff.

Allein für die Schweiz zeigt die Zollstatistik, dass sich die Einfuhr von unverarbeitetem Palmöl in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdreifacht hat. Zusätzlich werden ähnlich grosse Mengen Palmöl als verarbeitete Produkte eingeführt, wie in einer Analyse des Bundesamtes für Umwelt bereits 2015 ausgeführt wurde. Nach Auskunft der Schweizer Detailhändler und der Verarbeiter steckt heute in rund jedem sechsten Produkt in den Läden Palmöl. HEKS und Fastenaktion fordern darum von den Schweizer Grossverteilern, den Verbrauch von Palmöl zu reduzieren.

Menschenrechte verletzt – trotz Nachhaltigkeitszertifikat

Nichtregierungsorganisationen weisen seit längerem auf die gravierenden Folgen des Anbaus von Ölpalmen hin. Die FAO, die Landwirtschaftsorganisation der Uno, bezeichnet die Ausdehnung der Ölpalmplantagen als eine der wichtigsten Ursachen für Abholzung. In Indonesien wachsen heute Ölpalmen auf mehr als der Hälfte der Fläche, wo sich vor wenigen Jahren noch vielfältiger Regenwald befand.

Als Reaktion wurde vor rund 15 Jahren die Organisation «Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl» (englisch RSPO) ins Leben gerufen. Dieser Standard für Plantagenbetreiber, Händler und Verarbeiter sollte sicherstellen, dass die Mitsprache und die Rechte der Menschen in den Anbaugebieten in den Tropen gewahrt bleiben. Doch die Realität ist anders, wie das Beispiel Indonesien zeigt.

Für das Jahr 2013 registrierte das Nationale Landbüro 3000 Landkonflikte zwischen Palmölkonzernen, darunter zahlreichen RSPO-Mitglieder, und lokalen Gemeinschaften.

Ein Beispiel: Auf vier zertifizierten Plantagen der indonesischen DSN Dharma Satya Nusantara-Gruppe – seit 2012 RSPO-Mitglied – wurden gravierende Probleme festgestellt: Die betroffenen Gemeinden wurden nicht oder nur unzureichend über die Landvergabe an den Konzern informiert und konsultiert; für die Bevölkerung wurde der Zugang zu ihren Feldern eingeschränkt; Primärwaldgebiete sind durch die Aktivitäten des Konzerns bedroht; die Wassermenge und -qualität der Flüsse hat sich massiv verschlechtert; es herrschen Unklarheiten über Höhe und Umfang der Entschädigungszahlungen.

Mehr «Greenwashing» als spürbare Verbesserungen

«Wir stellen keinen Unterschied zwischen RSPO-zertifizierten Plantagen und anderen fest», sagt dazu Anton Widjaya, Direktor von Walhi Westkalimantan. Weitere Recherchen von Walhi, einer Partnerorganisation von HEKS in Indonesien, zeigen, dass «RSPO-zertifizierte Unternehmen in den Regionen Kapuas Hulu and Sintang grundlegende RSPO-Regeln verletzt haben»: Im Einzelnen ergaben die Besuche in den Dörfern, dass die Bevölkerung nicht frühzeitig und umfassend informiert wurde und frei über geplante Projekte auf ihrem Boden entscheiden konnte. Weiter wurden Plantagen direkt an Flüssen und in geschütztem Wald angelegt oder an Steilhängen ohne Terrassierung zum Schutz gegen Erosion.

Fazit für Anton Widjaya: «RSPO ist vorwiegend «Greenwashing» zur Beruhigung der Gewissen der Käufer und Verarbeiter von Palmöl in Europa und ebenso der beteiligten Banken und Finanzinstitute».

Aufruf für weniger Verbrauch

15 Jahre RSPO bremsten auch die Zunahme der Plantagenflächen kaum: 2014 erreichte die Fläche von Ölpalmplantagen 19,7 Millionen Hektaren (197 000 Quadratkilometer), rund die Hälfte mehr als bei der Gründung des Standards RSPO. Dahinter stecken finanzielle Interessen grosser Finanzinvestoren, auch aus der Schweiz, wie Fastenaktion und HEKS in einer Recherche im Frühjahr 2017 belegt haben. Erst ein sinkender Verbrauch bringt weniger Druck auf die Menschen und die Umwelt. Deshalb fordern die Werke HEKS und Fastenaktion die Schweizer Grossverteiler auf, weniger Palmöl zu verwenden Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind aufgerufen, den Aufruf mit dieser Forderung zu unterstützen.

Weitere Informationen:

Medien: Urs Walter, 079 489 38 24

Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik, HEKS, Mail, 031 380 65 72

 

Faktenblätter